Tagebuch Liebesbriefe Geheimnisse beHEARBEAT
Fast alle Familien hüten ein Geheimnis

Alte Liebesbriefe und geheime Tagebücher

Vor vielen Jahren zog ich mit meiner noch jungen Familie in ein Haus, dessen Keller und Dachboden von den Vorbesitzern, einem älteren Ehepaar, nicht entrümpelt worden waren. Wir hatten uns bereiterklärt, das zu erledigen. Als ich eine Holzschatulle mit persönlichen Schriftstücken fand, bekam ich Herzklopfen. Vielleicht würde ich in dem Kistchen ein geheimes Tagebuch finden, in dem sich vor mehr als hundert Jahren eine junge Frau ihre Geheimnisse von der Seele geschrieben hatte. Oder einen Stapel alter Liebesbriefe, in denen auf inzwischen vergilbtem Papier ein Paar verzweifelte Treueschwüre ausgetauscht hatte, von denen niemand etwas wissen durfte.

 »Sie griff nach der Holzschatulle. Sie konnte es kaum erwarten, einen ersten Blick in das Tagebuch und die Briefe zu werfen, die der Kasten nach Amelias Worten enthielt.«

Das Geheimnis von Chaleran Castle, Seite 168

Tagebücher sind historische Zeugen von Familiengeheimnissen

Wir alle wuchsen als Teil einer Familie auf, die in den meisten Fällen ein oder zwei große und viele kleine Geheimnisse hütet. Dabei geht es nicht nur um das Apfelkuchenrezept, das Tante Klara niemandem verrät, obwohl wir längst alle wissen, dass ihre besondere Zutat eine Prise Muskat ist.

Schon als Kinder bemerken wir, dass die Erwachsenen seltsame Blicke tauschen, sobald die Rede auf Onkel Johann kommt. Wenn wir fantasiebegabt sind, malen wir uns die seltsamsten Geschichten über den schweigsamen Onkel aus. Er könnte ein echter Zauberer sein oder seine längst verstorbene Frau Dagmar war eine Prinzessin, die er aus lauter Liebe aus dem Königreich ihres Vaters entführt hat.

Mit etwas Glück stammen wir aus einer Familie, in der auch über unangenehme Themen offen geredet wird. Dann erfahren wir als Teenager oder junge Erwachsene die Wahrheit über Onkel Johan, der das Kind einer heimlichen Affäre von Großtante Agnes war.

In vielen Fällen aber herrscht verbissenes Schweigen, und die Wahrheit bleibt weiterhin unserer Fantasie überlassen, weil wir nicht wagen, an dem Tabu zu rühren. Oder aber das Geheimnis wird irgendwann zufällig gelüftet – vielleicht durch den Fund eines geheimen Tagebuchs.

[Leseempfehlung vom »be«-Team: Sind Sie neugierig?]

Die Tabus und die Art der Aufzeichnungen ändern sich – die Geheimnisse bleiben

Früher war es der Großvater mit Nazivergangenheit oder die uneheliche Geburt eines nahen Verwandten, die innerhalb der Familie totgeschwiegen oder zumindest vor Außenstehenden verheimlicht wurden. Heute gibt es andere Tabuthemen. So kennen nach Schätzung von Experten nur fünf bis zehn Prozent der Kinder, die aus einer anonymen Samenspende entstanden sind, die Wahrheit über ihre Herkunft.

Aber auch die Wege, auf denen irgendwann vielleicht die Wahrheit ans Licht kommt, sind andere. Wer führt heute noch ein geheimes Tagebuch, das zusammen mit alten Liebesbriefen und anderen persönlichen Dokumenten auf dem Dachboden landen und viele Jahre später dort entdeckt werden könnte? Die Generation, die Briefe mit der Post verschickt und sich in einer dicken Kladde ihren Kummer von der Seele schreibt, stirbt aus. Stattdessen gibt es Mails, WhatsApp, Weblogs und Tagebuch-Communitys. Auch hier geben Menschen in einem teils privaten, teils öffentlichen Rahmen Geheimnisse preis. Und da bekannt ist, dass das Internet nichts vergisst, wird es in Zukunft andere Möglichkeiten als bisher geben, zufällig oder gezielt Familiengeheimnissen auf die Spur zu kommen.

[Leseempfehlung vom »be«-Team: Kostproben eines anderen Lebens]

Noch sind es alte Liebesbriefe und geheime Tagebücher

In meinem Roman „Das Geheimnis von Chaleran Castle“, spielt das geheime Tagebuch der spanischen Bauerntochter Sofia, das diese Anfang des 20. Jahrhunderts geführt hat, eine wichtige Rolle für die Heldin Felicia. Zufällig gerät dieses Tagebuch zusammen mit einigen Briefen von den Nachfahren Sofias in Felicias Hände, und sie kommt durch die alten Schriftstücke einem Geheimnis auf die Spur, das ihr Leben für immer verändert.

 »„Ich werde nichts ohne eure Erlaubnis veröffentlichen. Vielleicht kann ich die Geschichte erzählen, ohne Namen zu nennen.“ Andächtig strich sie über die Schnitzereien im Deckel der Schatulle.«

Das Geheimnis von Chaleran Castle, Seite 191

Dass die Dokumente Felicia ausgerechnet in einer Holzschatulle überreicht werden, hätte ich mir vielleicht in jedem Fall ausgedacht, so aber sah ich die Schachtel vom Dachboden des alten Hauses vor mir – in der übrigens nur alte Versicherungspolicen, einige nichtssagende Ansichtskarten und ein Heft mit Kochrezepten lagen…

Mehr Informationen zu »Das Geheimnis von Chaleran Castle«:

Eine Burg voller Geheimnisse. Ein schottischer Clan. Eine dramatische Familientragödie.

Ein spanischer Obsthof um 1900: Als ein äußerst attraktiver und zuvorkommender Schotte Zitronenbäume kaufen will, verliebt sich Sofia, die Tochter des Obstbauern, mit Haut und Haaren in ihn. Sie muss jedoch gegen ihre Gefühle kämpfen, denn ein Zusammensein ist ausgeschlossenen. Logan ist bereits verlobt und wird nach seiner Rückkehr in die Heimat heiraten. Doch dann sorgt eine Mondscheinnacht für weitreichende Konsequenzen …
Schottland, 2016: Reisejournalistin Felicia ist begeistert, als sie für ein Magazin einen Bericht über Schottland schreiben soll. Sie liebt die raue Natur dort und zur Isle of Skye spürt sie sofort eine tiefe Verbundenheit. Doch als Amelia Chaleran, die Besitzerin ihrer Unterkunft, ihr für die Recherche eine Holzschatulle mit Briefen und Tagebuchaufzeichnungen ihrer Vorfahren anvertraut, stößt Felicia auf eine schmerzliche Familientragödie, die sie zutiefst schockiert.

Nach dem Erfolg von Carolin Raths „Das Erbe der Wintersteins“ gibt es jetzt den neuen fesselnden Familiengeheimnis-Roman „Das Geheimnis von Chaleran Castle“ von Elaine Winter bei „be“.

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Dieser Beitrag wurde verfasst von:

Elaine Winter

Elaine Winter

Elaine Winter hat schon als Kind gerne Geschichten erfunden. Sie studierte Germanistik und Anglistik, probierte sich in verschiedenen Jobs in der Medienbranche aus und kehrte bald zum Geschichten erfinden zurück. Inzwischen ist sie seit mehr als zwanzig Jahren Autorin und hat den Spaß am Erdenken schicksalhafter Wendungen und romantischer Begegnungen bis heute nicht verloren.

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