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Die Schweizer Autorin Ladina Bordoli über das wildromantische Alpental

6 Eigenheiten, welche die Schweizer Region Prättigau mit Tolkiens »Auenland« gemeinsam hat

Zu Beginn des Sommers möchte euch die Schweizer Autorin Ladina Bordoli in das malerische Ostschweizer Alpental Prättigau entführen, das mit seiner wildromantischen und unverfälschten Art an Tolkiens »Auenland« erinnert. Der Bericht einer Einheimischen über das rebellische, aber heitere Wesen von Land und Leuten in der Schweizer Region Prättigau, Schauplatz des Romans Das Tal der Rosen.

1) Die Landschaft – Auenland-Charme in der Region Prättigau/Davos

Klosters-Serneus ist die grösste Tourismusgemeinde im Prättigau. Aus Vermarktungsgründen wurde zusammen mit Davos eine Tourismusdestination gebildet. Die Region Klosters/Davos lebt im Winter vom Skitourismus und im Sommer von Kultur- und Familienferien in der zauberhaften Alpenwelt. Gemeinden, die dem Auenland-Charme durch ihren sanften, naturnahen Tourismus jedoch eher gerecht werden, sind: Pany/St. Antönien, Grüsch-Danusa oder auch die Fideriser Heuberge.

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 »So fügte es sich, dass ich gestern, zwei Tage nach Jonas‘ Tod, in diesem Tal in den Bergen ankam. Steile, bewaldete Abhänge säumten das Talbecken zu beiden Seiten. Ich fragte nach dem Zauberberg und nach Davos.«

Das Tal der Rosen, Ladina Bordoli

2) Die Bewohner – ein ungewöhnliches Schweizer Volk

Wir Prättigauer sind wie die Landschaft, die unser Zuhause ist, eigenwillig und lieblich zugleich. Wie die Hobbits des Auenlandes sind auch wir zeitweilig engstirnig und stur. Dennoch haben wir einen charmanten Humor und ein geselliges Wesen. Wir sind vielleicht anders, aber das nicht ohne Stolz.

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»Während der Bus den Serpentinen der Straße folgte, zeigte sich Barbara zu ihrer Linken eine atemberaubende Aussicht auf das Tal unter ihr.
Das Prättigau breitete sich vor ihrem Blick aus wie ein Wildbach, der zwischen zwei Felsmassive gedrängt worden war.«

Das Tal der Rosen, Ladina Bordoli

3) Die Sprache – ein besonderer Schweizer Dialekt

Wir sind bekannt für unsere raue Sprache. Dennoch mögen uns die restlichen Schweizer gerade wegen unseres Dialekts: Weil wir erfrischend sonderbar klingen und uns keine Mühe geben, uns diesbezüglich zu ändern. Da wir uns nur ungern anpassen, hat praktisch jedes Dorf in unserem beschaulichen Tal einen etwas anderen Dialekt.

Das rührt daher, dass das Prättigau früher aufgrund geografischer Barrieren nur schlecht erschlossen war. So haben sich die Sprachgewohnheiten je nach Lage der besiedelten Orte unterschiedlich entwickelt. Als stolze Auenländer halten wir selbstverständlich auch heute, im Zeitalter von National- und Umgehungsstrassen, noch an dieser Tradition fest. Wir tragen die Identität unseres Geburtsortes in unserem Dialekt zeitlebens mit uns.

 »Mittellos und erschöpft, kam ich also gestern in Surgens an. Ein seltsamer Name, wie ich fand.
Noch seltsamer war jedoch die raue, kehlige und bisweilen kaum verständliche Sprache der an diesem Ort beheimateten Menschen.«

Das Tal der Rosen, Ladina Bordoli

4) Schweizer Tradition und Kultur – eine grosse Liebe

Schrullig und gesellig sind auch unsere Sitten. Wie die Bewohner des Auenlandes, lieben wir unsere Tradition, Kultur und Festlichkeiten jeglicher Art. Ob christlichen oder heidnischen Ursprungs, wir pflegen zahlreiche Bräuche:

Mit dem Hürnä betreiben wir beispielsweise ein altes Volksspiel, das an die Highland-Games erinnert. Meistens wird es im Frühling nach der Schneeschmelze oder im Sommer auf der Alp gespielt. Dieser Zeitvertreib ist jedoch nur für die männlichen Auenländer gedacht.

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An »Auffahrt« (Christi Himmelfahrt) sammeln Mütter oder Großmütter verschiedene Frühlingsblumen wie Vergissmeinnicht, Gänseblümchen oder Hahnenfuß und flechten sie zu Blumenkränzen für die Mädchen und kleinen Blumensträußen für die Jungen. Jede Gemeinde im Prättigau feiert den Auffahrtstag etwas anders. Da, wo ich aufgewachsen bin, besuchte man festlich gekleidet und mit den Blumen geschmückt gemeinsam den Auffahrts-Gottesdienst und nahm anschließend an einem Umzug durch das Dorf teil. So etwas lieben wir Hobbit-Kinder!

Sollte jemand aus unseren Hobbit-Reihen seinen letzten Atemzug tun und sein geliebtes Auenland für immer verlassen, wird in manchen Dörfern noch immer eine alte Tradition aufrechterhalten: Aus jedem Haushalt nimmt eine Person an der Beerdigung teil.

Man sagt uns Prättigauern nach, dass wir im Vergleich mit der restlichen Schweiz, überdurchschnittlich viele Sagen und Legenden haben. Vielleicht liegt das an der wildromantischen Natur, die uns umgibt, oder an den ehemals langen und beschwerlichen Wintern. So oder so, wir lieben unsere Schauergeschichten!

»Eine Beerdigung war in dieser Gegend noch immer eine traditionelle und ernstzunehmende Angelegenheit.
Es ging um Respekt. Respekt gegenüber dem Verstorbenen, gegenüber den Trauernden, aber auch gegenüber dem unausweichlichen Kreislauf allen Lebens.«

Das Tal der Rosen, Ladina Bordoli

 

5) Das Essen – kulinarische Köstlichkeiten aus dem Prättigau

Wir haben vielleicht kein Pfeiffenkraut, aber wir mögen unser Calanda-Bier. Besonders beliebt ist das charaktervolle Lagerbier, das ausschließlich mit frischem Quellwasser der Bündner Berge hergestellt und als Standardgetränk an zahlreichen Dorffesten gereicht wird. Auch der Röteli, ein mit Weihnachtsgewürzen versehener Likör, zählt zu den Spezialitäten unserer Region. Diesen trinken wir Einheimischen gerne an Silvester und am Neujahrsmorgen auf der Skipiste.

Weitere kulinarische Köstlichkeiten, auf die wir sehr stolz sind und die zu kosten es sich auf jeden Fall lohnt, sind: Das Birnenbrot (ein Brot aus gedörrten Früchten und Nüssen), die Bündner Nusstorte (ein Mürbeteiggebäck mit karamellisierten Baumnüssen) und natürlich unsere zahlreichen Käse- und Trockenfleisch-Spezialitäten. So etwas essen wir Auenländer sehr gerne, wenn wir bei einem unkomplizierten Anlass, sei es mit der Familie oder mit Freunden, zusammensitzen. Scarnuz-Grischun (Übersetzt: Papiersack aus Graubünden) bietet eine Auswahl an Prättigauer Spezialitäten.

Da wir früher mit harten, langen Wintern zu kämpfen hatten, finden sich auch diverse, äußerst nahrhafte Gerichte auf unserer traditionellen Speisekarte. Dazu zählen beispielsweise die Prättigauer Knödli (Hackfleischbällchen), Chäsgätschäder (Käsespezialität) oder die Bündner Gerstensuppe.

»Er hackte Holz, kaufte Käse, Milch, Brot und Eier auf einer nahe gelegenen Alp, kochte Essen oder lauschte dem munteren Gezwitscher der Vögel in den Bäumen rund um die Hütte.«

Das Tal der Rosen, Ladina Bordoli

6) Herzlich willkommen im Schweizer Auenland!

Ja, möglicherweise sind wir Prättigauer etwas skeptisch gegenüber Fremden. Wir leben in einem von einer Schlucht begrenzten Tal, etwas abgeschottet vom Rest der Welt. Aber ich kann euch versichern, wenn ihr offen auf uns zugeht und unsere Leidenschaft für bodenständiges Essen und Brauchtum teilt, dann teilen wir unser Auenland sehr gerne mit euch.

Doch damit nicht genug – weitere spannende Eindrücke zu Land und Leuten des Schweizer Alpentals Prättigau findet ihr in meinem Buch »Das Tal der Rosen«. Eine vergangene und eine gegenwärtige Liebesgeschichte ranken sich um ein düsteres Familiengeheimnis, dessen Wurzeln in dem malerischen Bergdorf Surgens im Prättigau liegen.

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Mehr Informationen zu »Das Tal der Rosen«:

„Während der Bus den Serpentinen der Straße folgte, zeigte sich Barbara zu ihrer Linken eine atemberaubende Aussicht auf das Tal unter ihr. Das Prättigau breitete sich vor ihrem Blick aus wie ein Wildbach, der zwischen zwei Felsmassive gedrängt worden war.“

Nach einer schmerzhaften Trennung und dem plötzlichen Tod ihrer Großmutter Rosa fühlt sich Barbara einsam und orientierungslos. Aus Rosas Testament erfährt sie, dass sie im Bergdorf Surgens beerdigt werden will. Barbara hat noch nie von diesem Ort gehört, ihr ist eine Auszeit von ihrem Leben allerdings äußerst willkommen. Doch das raue Klima der Bündner Berge mit seinen eigenwilligen Bewohnern entpuppt sich als große Herausforderung. Kaum angekommen, stellt ein Geheimnis, dessen Wurzeln tief in die Vergangenheit zurückreichen, Barbaras Leben auf den Kopf. Der zurückhaltende Gasthausbetreiber Conradin, der sie mit seinem Charme immer mehr fasziniert, hilft ihr dabei, den verschleierten Spuren vergessener Tage zu folgen.

Nach dem Erfolg von Carolin Raths „Das Erbe der Wintersteins“ gibt es jetzt den nächsten fesselnden Familiengeheimnis-Roman „Das Tal der Rosen“ von Ladina Bordoli bei „be“.

Dieser Beitrag wurde verfasst von:

Ladina Bordoli

Ladina Bordoli

Ladina Bordoli, 1984 in der Schweiz geboren, lebt bis heute im Prättigau, einem kleinen Tal inmitten der Alpen. Seit ihrer Kindheit verfasst sie Gedichte, Kurzgeschichten und philosophische Texte. Im Jahr 2008 veröffentlichte sie ihr Erstlingswerk „Wild Cherry“.
Den Hauptteil ihrer Inspiration bezieht sie aus dem täglichen Kontakt mit Menschen verschiedenster Kulturen. Wo gelebt, gearbeitet, geliebt und gestritten wird, entstehen Schicksale und mit ihnen – Geschichten.

Ladina Bordoli in der Presse
Interview mit der Online-Zeitung GRHeute

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Dieser Beitrag wurde unterstützt durch:

Prättigau-Tourismus. Die Fotos sind Eigentum von Prättigau-Tourismus.

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