Cold Reset Writers room fünf autoren ein roman
Vom Writers-Room zum Thriller

Cold Reset: Fünf Autoren, fünf Wochen, ein Roman

Was passiert eigentlich, wenn man fünf herausragende Autoren fünf Wochen lang gemeinsam in einen Konferenzraum sperrt und ihrer Fantasie freien Lauf lässt?

Markus Stromiedel über das Projekt »Writers-Room« und den Entstehungsprozess von »Cold Reset– Erinnern ist tödlich«.

Ein Buch lesen geht schnell.

Wie lange brauchen Sie für einen Roman? Vermutlich ein paar Tage oder auch nur eine Nacht, wenn die Story besonders spannend ist.

Ein Buch schreiben dauert länger.

Viel länger! Manche Kollegen schaffen es in sechs Monaten, die meisten benötigen mehr Zeit. Ich selbst verbringe von der ersten Idee bis zum fertigen Roman etwa ein Jahr mit meinem Text. Aber nicht nur das Schreiben eines Buches kostet Zeit, sondern auch die Arbeit mit dem Text im Verlag. Jeder weiß das in der Buchbranche, es ist eine unumstößliche Wahrheit.

Das muss schneller gehen!

Umso verblüffter waren die Verantwortlichen im Bastei Lübbe-Verlag, als ich Ihnen auf der Frankfurter Buchmesse ein ungewöhnliches Projekt vorschlug: Fünf Autoren schreiben in fünf Wochen einen kompletten Roman. Nachdem man sich vergewissert hatte, dass das kein Scherz war, kamen die Fragen: Wie soll das gehen?

Aus meiner Zeit als Drehbuchautor kannte ich das Prinzip »Writers-Room«: Eine Gruppe von Autoren sitzt zusammen mit einem Head-Autor in einem Raum und schreibt gemeinsam an einer Serie. „Gemeinsam schreiben“ heißt hier, dass gemeinsam eine Story entwickelt oder eine vorgegebene Story weiter ausgearbeitet wird. Danach werden die verschiedenen Drehbücher der Serie an die einzelnen Autoren verteilt und zuletzt vom Head-Autor wieder überarbeitet. So schafft ein Team von Kreativen in wenigen Monaten, wofür ein einzelner Drehbuchautor Jahre benötigen würde.

Könnte es gelingen, ein solches Prinzip auf die Prosa zu übertragen? Wohlgemerkt, ich wollte keinen Episodenroman entstehen lassen, also ein Buch mit einer Reihe von einzelnen Geschichten. Auch sollte kein Roman entstehen, in dem die Kapitel offen ersichtlich jeweils von einem anderen Autor verfasst wurden. Am Ende meines Writers-Rooms sollte ein Roman aus einem Guss entstehen. Ein Thriller bei dem man nicht merkt, dass er von verschiedenen Autoren geschrieben ist.

Ich präsentierte mein Konzept. Der Bastei Lübbe-Verlag sagte zu.

Die folgenden Wochen waren mit die spannendsten meines Autorenlebens. Wir mussten ein enormes Tempo vorlegen, um den Zeitplan einzuhalten. Bis zum geplanten Start blieben nur zwei Monate, um das Team zusammenzustellen, die Infrastruktur im Verlag aufzubauen und Verträge auszuhandeln. Und bis auf die Grundidee hatte ich noch keine Ahnung, was für eine Geschichte wir erzählen würden. Doch als Drehbuchautor schockte mich das nicht. Oft genug hatte ich im Writers-Room erlebt, wie zügig ein eingespieltes Team aus dem Nichts eine spannende Story erschaffen kann. Aber die schwerste Aufgabe lag noch vor mir: die richtigen Kollegen für den Writers-Room auszusuchen und sie von dem Projekt zu überzeugen.

Der Anforderungskatalog für einen Autor, der im Writers-Room überleben soll, ist hoch:
Ein solcher Autor muss nicht nur gut schreiben können, sondern auch teamfähig sein, uneitel, pragmatisch, belastbar und verlässlich. Er muss in der Lage sein, Ideen in den Ring zu werfen und auszuhalten, wenn die anderen sie Sekunden später zerfetzen. Er muss die Fähigkeit haben, Einfälle anderer weiterzuentwickeln und eine Story im Kopf immer wieder umzubauen. Er muss Tag für Tag in den Ring steigen, denn die anderen verlassen sich auf ihn. Und er darf bei all dem nicht den Spaß an der Sache verlieren. Denn ohne Spaß geht es nicht.

Das Autoren-Team war perfekt. Martin Conrath, Sabine Klewe, Ralf Pingel und Anette Strohmeyer sind nicht nur hervorragende Autoren, sondern sie harmonierten sehr gut miteinander und verfolgten die gemeinsame Idee. Wir schlugen unser Lager inmitten der »be«-Lektoren auf und fühlten uns in dem jungen Team sofort wohl. Anfangs waren wir noch die Exoten: Obwohl jeder in der Abteilung täglich mit Autoren zu tun hat, war es bis zu diesem Zeitpunkt doch etwas Ungewöhnliches, Schreibende live bei der Arbeit beobachten zu können.

[Leseempfehlung vom »be«-Team: We proudly present: »be« – das eBook Label]

Das Autoren-Team von »Cold Reset – Erinnern ist tödlich«: Martin Conrath, Anette Strohmeyer, Sabine Klewe, Ralf Pingel, Markus Stromiedel
Das Autoren-Team von »Cold Reset – Erinnern ist tödlich«: Martin Conrath, Anette Strohmeyer, Sabine Klewe, Ralf Pingel, Markus Stromiedel

Es geht los – die Gott-Phase des Schreibens als Gruppenprozess.

Die ersten beiden Wochen des Writers-Room waren ein riesengroßer Spaß. Wir entwickelten Figuren, wählten Schauplätze aus und erdachten die Story. Alles war möglich, es gab keine Einschränkungen – die Gott-Phase des Schreibens als dynamischer Gruppenprozess. Das Tempo, in dem wir Ideen ausspuckten und wieder verwarfen, war atemberaubend. Wir fühlten uns wie Surfer, die sich ins Meer warfen und Wellen abritten und dabei schauten welche dieser Wellen – also Geschichten – am meisten Spaß machten.

[Leseempfehlung vom »be«-Team: Einen Tod muss man sterben… Oder Tausend Tode?]

Wir saßen zusammen an einem großen Konferenztisch, darauf eine Reihe von Laptops, über unseren Köpfen der Beamer, der das Monitorbild eines der Laptops an die Wand projizierte. Einer schrieb, vier dachten nach, diskutierten, spielten den anderen wortreich Szenen vor und sahen dabei zu, wie ihre Ideen zu kurzen Texten wurden. Es war so, wie ich es erhofft hatte. Die Geschichte zu unserem Roman entstand in den ersten acht Tagen: 100 Kapitel inklusive aller Plot-Points, Szenen-Cliffs und die Charakterbeschreibungen aller Hauptfiguren. Und das, obwohl es am Anfang unseres Writers-Rooms nicht mehr gab als eine Idee:

Der Held wacht nach einem Unfall auf, sein Auto versinkt im Wasser. Er weiß nicht, wer er ist. Aber er weiß, was er tun soll, denn sein Handy vibriert, und eine Nachricht poppt auf dem Bildschirm auf: „LAUF“.
Und genau das taten wir gemeinsam mit unserem Helden, der von uns quer durch Europa gehetzt wurde auf der Jagd nach dem Geheimnis, das er in sich trägt.

[Leseempfehlung vom »be«-Team: Sind Sie neugierig?]

Dann begann die Schreibphase.

Es wurde still im Konferenzraum. Uns blieben nur noch 16 Arbeitstage bis zur Deadline und knapp zwei durchgeschriebene Kapitel pro Tag waren nötig, um das gesteckte Ziel zu erreichen. Diese Zahl ergab sich aus einer simplen Rechnung: Vier Autoren schrieben, jeder hatte 25 Kapitel vor sich. Als Head-Autor fiel mir die Aufgabe zu, die Texte der Kollegen zu lesen, stilistisch zu bearbeiten und das Ergebnis zu besprechen. Ich hatte den zeitlichen Aufwand dieser Arbeit total unterschätzt: Acht Kapitel pro Tag, dazu drei Besprechungen täglich, an denen wir uns gegenseitig über Änderungen im Plot und bei den Hauptfiguren auf den aktuellsten Stand brachten. Schon bald hing ich im Zeitplan hinterher. Eine Verspätung, die ich bis zum Schluss nicht aufholen konnte.

Für mich als Head-Autor war diese Phase eine besondere Herausforderung. Die ersten Wochen des Writers-Rooms waren für mich vertrautes Terrain gewesen. Ich hatte schon oft in Autorenteams gearbeitet, kannte die inhaltlichen und gruppendynamischen Prozesse und wusste, wie man am besten mit ihnen umgeht. Jetzt kam ein weiterer Schwierigkeitsgrad hinzu: Hatten wir während der Plotphase die Geschichte noch chronologisch durchgesprochen, musste ich nun in der Handlung hin- und herspringen. Denn jeder der schreibenden Kollegen arbeitete an einem anderen Punkt der Geschichte. Ich griff also in den täglich entstehenden Kapiteln in Texte ein, in denen unsere Hauptfigur an jeweils unterschiedlichen Punkten ihrer Entwicklung stand. Die sehr genauen Aufzeichnungen während der Plotphase halfen dabei, nicht die Orientierung zu verlieren.

Am vorletzten Tag knallten die Korken.

Wir hatten es geschafft! In nur fünf Wochen hatten wir einen kompletten Roman geschrieben. Alle waren zufrieden, total erschöpft und auch ein bisschen stolz. Es war mehr als nur ein Spaß, als wir flachsten: Wann beginnt der nächste Writers-Room?

Während meine vier Kollegen ihre Texte in meine Obhut gaben, lag vor mir die Aufgabe, unseren Roman für das Lektorat vorzubereiten. Das bedeutete: noch einmal alles lesen, den Schreibstil anzupassen und an Details zu schleifen oder sogar einzelne Abschnitte nochmal neu zu schreiben. Ich empfand diese Arbeit als sehr erfüllend, weil ich hervorragende Texte bekommen hatte, die ich abrunden und weiter verbessern durfte. Erst jetzt wurde mir klar, wie viel geballte Kreativität ein solcher Writers-Room in kurzer Zeit zu entfachen vermag.

Am Ende bleibt das Fazit:

Mit einem guten Team, guter Vorbereitung und mit dem nötigen Know-how ist es möglich, einen Roman in kürzester Zeit zu schreiben. Zehn Wochen dauerte es von der ersten Idee bis zum fertigen Manuskript. Das heißt, die Buchbranche kann sehr schnell auf aktuelle Ereignisse und gesellschaftliche Strömungen reagieren. Das wollte ich beweisen, und dieser Beweis ist gelungen.

Offen bleibt eine Frage: Ist das Ergebnis gelungen? Das müssen Sie, liebe Leser, beurteilen.

Viel Spaß beim Lesen, viel Spaß mit »Cold Reset – Erinnern ist tödlich«!

Ihr
Markus Stromiedel

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Aber was du nicht weißt: Das Schicksal der Menschheit liegt in deinen Händen.

Ein rasanter Action-Thriller, der seinen Lesern den Atem nimmt.

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Mehr Information zu den Autoren:

Noah Alexander

Noah Alexander

Hinter dem Pseudonym Noah Alexander stehen fünf erfolgreiche deutschsprachige Autoren, die während eines Writers-Room gemeinsam die Idee zu dem Thriller »Cold Reset – Erinnern ist tödlich« entwickelt und zu Papier gebracht haben. Die Autoren sind: Martin Conrath, Sabine Klewe, Ralf Pingel, Anette Strohmeyer und Markus Stromiedel.

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© Olivier Favre

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