Neugier
Natalie Tielcke über die Menschlichkeit der Neugier

Sind Sie neugierig?

Wenn Sie eine Zauberkugel hätten und sie Ihnen jeden Menschen und jeden Ort dieser Welt zeigen könnte: Wen oder was würden Sie sehen wollen? Den schiefen Turm von Pisa oder Ihren Cousin dritten Grades? Oder würden Sie doch lieber tiefe Einblicke in die Area 51 bekommen, um zu sehen, ob die US Regierung Aliens versteckt. Und sehen wollen, was Ihr Ex-Partner gerade treibt – und mit wem.

Haben Sie schon mal jemanden beobachtet?

Da sitzt jemand in der Bahn ein paar Plätze weiter und hört Musik. Was hört er? Wem schreibt er da gerade eine WhatsApp Nachricht? Oder an der Ampel, der Kerl im Rückspiegel, der nicht bemerkt, dass Sie ganz genau sehen, dass er sich gerade genüsslich in der Nase bohrt. Manchmal stehen Sie vielleicht auch in Ihrer Küche am Fenster und sehen raus auf die Straße, während Sie sich einen Kaffee machen. Sehen die Menschen, die dort entlang laufen und fragen sich, woher sie kommen und wohin sie gehen. Vielleicht vermuten Sie, dass sie auf dem Weg zur Arbeit sind und spekulieren, was sie beruflich tun.

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Haben Sie sowas in der Art schon mal gemacht? Jemanden beobachtet? Heimlich? Keine Sorge, das ist ganz normal.

Der Mensch ist von Geburt an neugierig. Es ist ein angeborener Instinkt, ein Verlangen, das bei uns schon als Baby klar zu erkennen ist. Wenn wir aufwachsen, müssen wir neugierig sein, um zu lernen und die Welt zu erfahren. Jeder von uns hat als Kind wahrscheinlich schon einmal auf eine heiße Herdplatte gefasst. Ich persönlich stellte mich sogar mit dem nackten Fuß drauf. Aber die meisten von uns probieren so etwas eben nur einmal.

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Kinder machen durch ihre Neugier Erfahrungen und lernen so, die Welt besser zu verstehen. Aber warum sollte das bei Erwachsenen anders sein?

Jeder ist in gewisser Weise neugierig. Und darin versteckt sich das Wort Gier. Man will immer mehr davon. Im Fall der Neugier, will man mehr wissen. Wir sehen einen Zaubertrick und fragen uns sofort, wie er funktioniert. Erzählt einer im Restaurant am Nachbartisch eine spannende Geschichte, wollen wir auch die Pointe erfahren. Flüstern andere, hören wir genauer zu. Und sagt jemand: »Guck jetzt bloß nicht hin!«, tun wir es trotzdem.

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Wir können es einfach nicht lassen. Oder?

Wieso gaffen so viele bei Unfällen? Woher kommt diese Sensationsgeilheit und warum guckt halb Deutschland das Dschungelcamp? Wir können offensichtlich gar nicht anders. Wir müssen hinsehen. Wir wollen es wissen. Es scheint wie eine Sucht zu sein, aber da es angeboren ist, sollte man wohl eher von einem Trieb sprechen. Der Neugier. Etwas in uns, das wir nicht abstellen können. Aber wir können es kontrollieren. Denn wir haben auch gelernt, unsere anderen Triebe zu kontrollieren und zu unterdrücken. Denn sonst würden wir wohl nur fressen, ficken und uns die Köpfe einschlagen.

Aber wir schaffen es, bei einem Feuerwehreinsatz nur kurz hinzusehen und dann weiterzugehen. Doch das gelingt nicht immer und nicht jedem. Es gibt Idioten, die bleiben stehen und machen Selfies.

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Aber nie vergessen: Wir entscheiden selbst über das, was wir tun. Und das ist auch gut so.

Zwei Kumpels rauchen aus Neugier in ihrer Jugend eine Zigarette. Der eine lässt es danach für immer sein. Der andere versucht bis heute damit aufzuhören. Der erste Zug erfolgte bei beiden aus Neugier. Doch der eine wollte immer mehr, dann kam die Sucht und er konnte es nicht mehr lassen.

Diese erste Zigarette könnte für alles stehen. Man will es nur mal versuchen, nur ein kleines Stück Kuchen, nur in den Laden gehen und es anschauen und nicht kaufen, nur ein Bier, danach nur noch Wasser. Und so weiter. Doch was tun wir? Wir futtern den ganzen Kuchen, weil das erste Stück so lecker war. Wir schauen uns die Jacke, die wir nicht brauchen, nicht bloß an, sondern probieren sie an – sie gefällt uns und wir kaufen sie. Und den Biertrinkern unter Euch muss ich sicherlich nicht sagen, wie selten das zweite Getränk ein Glas Wasser ist.

 

Macht uns Neugier also am Ende auch gierig?

Erfahren Sie gerne Geheimnisse und wollen immer über das Geschehen um Sie herum informiert sein?

Wie weit würden Sie gehen, um diese Gier zu stillen? Würden Sie jemanden im Internet ausspionieren? Und ja, dazu zählt auch, ständig auf dem Facebook-Profil der ersten großen Liebe abzuhängen. Würden Sie jemanden belauschen? Würden Sie jemandem folgen? Einem Fremden? Wahrscheinlich würden Sie irgendwo dazwischen eine Grenze ziehen. Außer Sie sind ein Spion. Dann ist das Ihr Job.

Aber es gibt Menschen, die können ihre Neugier nicht stillen. Sie sind davon besessen.

Und es gibt jemanden, der ganz genau weiß, wie es ist, davon besessen zu sein. Ich würde sie Ihnen gerne vorstellen. Ihr Name ist Kim. Und sie beobachtet Sie und jeden Ihrer Schritte…

Mehr Informationen zu »Kaltes Verlangen«:

Sie ist von dir besessen. Sie beobachtet dich und jeden deiner Schritte. Sie will dir nah sein. Immer und überall. Am Tag schleicht sie sich als Patientin in deine Praxis. Nachts sitzt sie vor deinem Fenster und blickt in deine Wohnung. Wartet dort, bis du schlafen gehst. Das ist ihr Geheimnis.

Aber was, wenn dein eigenes Geheimnis viel schlimmer ist?

Ein außergewöhnlicher Thriller, bei dem wenig so ist, wie es scheint und der in die tiefsten Abgründe der menschlichen Seele führt.

„Es gehört einfach zu der Natur des Menschen, sich und die Welt zu zerstören. Ein Zwang, ein Drang, ein Trieb, der vorhanden ist, noch bevor man geboren wird.“

Dieser Blogbeitrag wurde verfasst von:

Natalie Tielcke

Natalie Tielcke

Natalie Tielcke wurde 1986 in Aachen geboren. Nach dem Abitur zog es die kreative Frohnatur zum Fernsehen und dort findet man sie noch heute. Sie schreibt Drehbücher und entwickelt TV-Serien. Die Kölnerin ist schon seit ihrer Kindheit davon begeistert, wenn nicht sogar besessen, sich Geschichten auszudenken. Ohne Stift und Papier geht sie nicht aus dem Haus.


Natalie Tielcke im Interview mit »Leben Lieben Lachen Lesen«:

Erzähl uns doch bitte in deinen Worten, worum es in deinem Buch geht.

Das Buch handelt von den tiefsten Abgründen der menschlichen Seele. Jeder von uns ist ein triebgesteuertes Wesen. Nur, dass die meisten von uns das sehr gut unter Kontrolle haben. Aber was wäre, wenn wir unsere Triebe nicht kontrollieren oder unterdrücken könnten?
In diesem Fall ist es der Trieb der Neugier, der die Protagonistin dazu treibt, Dinge zu tun, die auf den ersten Blick sehr extrem wirken. Und es auf den zweiten Blick auch sind.
(mehr von mir dazu gibt es hier auch hier: https://be-ebooks.de/sind-sie-neugierig/

Deine Protagonistin baut sich zum besseren Stalken ein kleines Hilfsmittel. Hast du das ausprobiert?

Selbst habe ich es nicht ausprobiert und anfangs dachte ich auch, dass das so einfach nicht klappen kann. Aber ich habe viel recherchiert und habe mich mit einigen Technikfreaks unterhalten. Theoretisch könnte jeder dieses Gerät nachbauen.

Dein eigentlicher Beruf ist schon sehr kreativ. Inwiefern war es schwierig, sich von der Drehbucharbeit auf das Schreiben eines Romans umzustellen?

Das war eine wahnsinnig spannende Erfahrung. In der Tat macht es einen großen Unterschied, ob man ein Buch oder ein Drehbuch schreibt. Das Großartige an Büchern ist, dass alles möglich ist und einem keine Grenzen gesetzt werden. Das sieht beim Schreiben von Drehbüchern für Film und TV anders aus. Hier hat man oft strenge Vorgaben und kann nicht alles realisieren, was man gerne erzählen würde. Bei einem Film liest der Zuschauer ja nicht das Drehbuch, hier werden ihm die fertigen Szenen präsentiert. Also ist es bei einem Drehbuch sehr wichtig, dass jeder, der es liest, ein ähnliches Bild vor Augen hat. Nur so können Kamera, Regie, Schauspieler und Co. ein stimmiges Bild abliefern. Bei einem Buch entwickelt die Vorstellungskraft des Lesers Bilder aus Worten und jeder sieht quasi seinen eigenen Film. Und meiner Meinung nach erschafft die eigene Fantasie die besten Bilder. Ich liebe Kopfkino.

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