Krebs Live the moment Das Geschenk eines Sommers beHEARTBEAT
Oder: Eine Auseinandersetzung mit der Vergänglichkeit des Lebens

Plötzlich ist alles anders: Wenn Krebs unsere Liebsten trifft

Es war ein lauer Sommerabend, an dem ich mit einem alten Freund beim Italiener saß. Wir hatten gut gegessen, tranken eisgekühlten Weißwein, sprachen über das Leben und scherzten herum. Plötzlich fragte er mich völlig unvermittelt, was ich täte, wenn ich nur noch ein paar Stunden zu leben hätte. Diese Frage killte auf der Stelle die Leichtigkeit des Abends. Was hatte der Tod hier zu suchen? Der Gedanke an das Unvorstellbare hatte mir schon als Kind große Ängste beschert. Ich war froh, ihn inzwischen weitestgehend ausblenden zu können. Wie sehr ich solche Gedankenspiele hasste! Lapidar antwortete ich, dass ich sämtliche Partydrogen der Welt nehmen würde, damit es lustig wird. Mein Freund grinste nur und philosophierte munter weiter – über die Kraft des Augenblicks, die Schwierigkeit für so viele von uns, im Hier und Jetzt zu leben, und dass wir unser Leben viel mehr genießen sollten. Darauf stieß ich mit ihm an. 

Wir verdrängen die Gedanken an unsere Sterblichkeit

In unserem durchgetakteten, vollgestopften Alltag fühlen wir uns unsterblich, da ist kein Platz für Gedanken an Tod und Vergänglichkeit. Der Horror in den Nachrichten ist so weit weg von uns; wir können ihn jederzeit abschalten oder wegklicken. Außerdem trifft es sowieso immer nur die anderen. Doch irgendwann kommen die Einschläge – dann wird jeder von uns auf seine Weise brutal mit der Realität konfrontiert. Denn wenn wir persönlich mit dem Tod oder einer lebensbedrohlichen Krankheit konfrontiert werden, lässt sich die Endlichkeit des Lebens nicht mehr verdrängen. Bei mir war es soweit, als meine Mutter eine schockierende Diagnose erhielt: metastasierter Brustkrebs. Eine Operation war nicht mehr möglich. Auf dem Therapie-Plan standen Chemotherapien, Bestrahlungen und Medikamentencocktails.

„Da bist du plötzlich in einer Welt, von der du dachtest, dass da immer nur die anderen landen“, flüstert Mama.
„Es ist bedrückend hier“, erwidere ich leise.
„Tja, ich hatte auch gehofft, dass es hier Zuckerwatte gibt und laute Stimmungsmusik aus den Boxen dröhnt.“

Das Geschenk eines Sommers, Gabriele von Braun

Mit schrägem Humor dem Krebs etwas von seiner Macht nehmen

Wir durchlebten eine Zeit zwischen Hoffen und Bangen. Oft war es einfach nur die Hölle – der Schmerz, die Machtlosigkeit, das langsame Verschwinden dieses über alles geliebten wundervollen Menschen, ohne den ich mir mein Leben nicht vorstellen konnte. So oft wie möglich war ich an der Seite meiner Mutter. Wir teilten wertvolle, tiefe Momente miteinander, für die ich unendlich dankbar bin, genau wie für ihren Sinn für schrägen Humor. ‚Er hilft, das Schicksal zu ertragen‛, so ihr Credo. Vor fünf Jahren verlor sie den Kampf gegen den Krebs.

„Meine Tochter! Manchmal habe ich das Gefühl, dass wir uns noch einmal ganz neu kennenlernen. Das ist schön.“

Das Geschenk eines Sommers, Gabriele von Braun

Nicht über Banalitäten aufregen und mehr im Jetzt leben

Als ich mich in meiner Trauer wieder einmal mit meinem alten Freund traf, griff ich freiwillig die Frage auf, was ich täte, wenn ich nur noch kurz zu leben hätte: mit meinen liebsten Menschen zusammen sein und feiern. Meine Sicht auf das Leben ist eine völlig andere geworden. Ich weiß seine Kostbarkeit viel mehr zu schätzen als früher. Wie hat Albert Einstein so schön gesagt: Es gibt viele Wege zum Glück, einer davon ist aufhören zu jammern. Wir sollten versuchen, den kleinen Dingen, an denen wir uns täglich aufreiben, etwas von ihrer Macht über uns zu nehmen und mehr im Jetzt zu leben. Wenn wir eines Tages alt und grau oder krank auf unser Leben zurückblicken, dann erinnern wir uns ganz sicher nicht an den Ärger mit dem Chef, drei Kilo zu viel auf den Hüften, das miese Wetter oder den Typen, der uns den Parkplatz weggeschnappt hat. Oft können wir die Dinge in unserem Leben nicht ändern, aber wir können steuern, wie wir mit ihnen umgehen.

„Clara, es lebt sich nicht leichter, wenn man ständig daran denkt, was eines Tages alles sein kann. Da draußen scheint die Sonne, das entgeht einem dadurch leicht. Raus mit uns!“

Das Geschenk eines Sommers, Gabriele von Braun

Eine Geschichte über das Leben, die Liebe und den Tod

Einige Jahre später reifte die Idee in mir, ein Buch zu schreiben über das Leben, die Liebe und den Tod – und darüber, was wirklich zählt. Dabei wollte ich aber keinen düsteren Epos verfassen, sondern mich dem schweren Thema leichter nähern, heitere und ernste Töne miteinander verbinden. So entstand mein Roman „Das Geschenk eines Sommers“, in dem Clara und ihre unheilbar an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankte Mutter Ruth die intensivste Zeit ihres Lebens miteinander verbringen. An der Seite ihrer Mutter werden Clara nicht nur in Sachen Liebe die Augen geöffnet, sondern sie erkennt auch, worauf es im Leben wirklich ankommt.

Mehr Informationen zu »Das Geschenk eines Sommers«:

Clara, Ende dreißig, ist erfolgreich im Job, hat eine schicke Wohnung in München, einen alten, leicht übergewichtigen Kater und eine Liebe: Martin. Doch der ist mit einer anderen verheiratet. Als sie sich für einen Besuch bei ihren Eltern in Berlin ankündigt, die sie viel zu lange nicht gesehen hat, erfährt sie, dass ihre Mutter Ruth schwer krank ist. Die Diagnose: Krebs – Heilung ausgeschlossen. Clara ist am Boden zerstört, aber Ruth beschließt, die Zeit, die ihr noch bleibt, zu genießen und den Sommer noch einmal zu spüren. Gemeinsam fahren Mutter und Tochter in die Uckermark, wo Ruth aufgewachsen ist. Eine schöne, aber vor allem sehr emotionale Zeit beginnt, die zeigt, was wirklich wichtig ist, und Clara die Augen auch in Sachen Liebe öffnet …

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Dieser Beitrag wurde verfasst von Gabriele von Braun:

Gabriele von Braun

Gabriele von Braun

Gabriele von Braun brach ihr Soziologiestudium ab, um etwas absolut Ausgefallenes zu wagen: Sie studierte BWL. Doch es nützte nichts – sie landete auf direktem Weg „in den Medien“, wo sie u.a. als PR-Redakteurin tätig war, bevor sie zu SPIEGEL TV überlief. Inzwischen arbeitet sie im Programm-Marketing für eine Landesrundfunkanstalt. Gabriele von Braun lebt mit ihrer Familie in Berlin.

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