Wie zeichnet man ein Tante Dimity Cover?
»Tante Dimity« Cover-Illustrator Ommo Wille im Interview

Wie zeichnet man ein Tante Dimity Cover?

Bereits seit Band 18 zeichnet Ommo Wille die Cover unserer beliebten Cosy Crime Serie »Tante Dimity« und auch für den 21. Band »Tante Dimity und der verlorene Schatz« konnten wir den Cover-Illustrator gewinnen. In diesem Interview verrät er uns, wie er dabei vorgeht und worauf es für ihn ankommt.

be-ebooks: Was für Hinweise und Angaben bekommen Sie für die Anfertigung der Illustration?

Ommo Wille: Nach einem knappen telefonischen Vorgespräch erhalte ich von den »be«-Lektoren meistens einen »kleinen Waschzettel« plus Bildmotive aus dem Internet mit den Angaben und Wünschen des Lektorats. Damit befasse ich mich dann erst einmal. Dies reicht, um die ersten Skizzen zu erstellen.
Generell ist es mir auf jeden Fall wichtig, dass der Leser beim späteren Betrachten des Covers einige der Details aus der Geschichte wiedererkennt und der Geschichte zuordnen kann.

be-ebooks: Wie viele Freiheiten nehmen Sie sich dennoch beim Zeichnen? Suchen Sie sich zum Beispiel selber aus, an welcher Stelle Sie den pinken Kuschelhasen platzieren?

Ommo Wille: Ja, gewisse Freiheiten habe ich. Manchmal wird jedoch auch die Quadratur des Kreises erwartet. Dann sollen mehrere Geschehen gleichzeitig bei unterschiedlicher Beleuchtung in mehreren Räumen gezeigt werden. Da muss man dann ganz schön tüfteln oder noch einmal mit der Redaktion die realisierbaren Möglichkeiten durchsprechen. Man darf ja nicht vergessen: Die Bildwelt, die ich male, gibt es nicht als fertiges Foto, welches man nur auf das Blatt übertragen braucht. Alles wird von mir konstruiert und bildhaft, farbig umgesetzt.
Doch so ein Fall ist mit Ihrem kleinen Hasen noch nicht aufgetreten.

be-ebooks: Haben Sie eine Ausbildung zum Illustrator gemacht, oder handelt es sich mehr um ein privates Hobby?

Ommo Wille: Meine Ausbildung ist eigentlich klassisch: Student an der Kunsthochschule in Braunschweig (Freie Kunst, Meisterschüler) und ein zusätzliches Grafikstudium.
Zurzeit arbeite ich auch noch nebenbei als Zeichenlehrer an einer Medienschule in Potsdam/Babelsberg und quäle meine Schüler mit Perspektivübungen.

Was mir aber besonders weitergeholfen hat, ist die intensive Beschäftigung mit der Kunstgeschichte und der Kopie von Bildern alter Meister, die mich im Rahmen der Künstlergruppe »interDuck« seit Jahren beschäftigt. Für die Auststellung »DUCKOMENTA« werden berühmte Kunstwerke in Originaltechnik noch einmal gemalt, wobei entische Proportionen mit Schnabel und allem Drum und Dran in die Figuren eingearbeitet werden.

be-ebooks: Wie sehen Ihre einzelnen Arbeitsschritte bei der Zeichnung der Tante Dimity Cover aus?

Ommo Wille: Am Anfang steht natürlich eine Handskizze, die auch schon mal auf ein Blatt Schmierpapier oder einem Bierdeckel gezeichnet wird. Danach wird im Computer eine Datei eingerichtet, die größer ist als das spätere Bild. Man braucht eigentlich immer ein wenig mehr Spielraum am Bildrand um später noch Details und Ähnliches zu verschieben. Auch drucktechnisch ist dies zu beachten …

Schritt 1

Gearbeitet wird mit einem Grafik-Tablett und Photoshop. Schnelle Korrekturen sind möglich und gegebenenfalls auch schon mal das Quetschen oder Strecken eines Bildteils. Zugrunde liegt in diesem Fall die klassische Zentralperspektive mit einigen schlichten Objekten, die bewusst verkanntet im Bild für ein wenig Aufmerksam/Störung sorgen.

Tante Dimity Cover Illustrator Schritt 1
Tante Dimity Cover Illustrator Schritt 2

Schritt 2

Dann werden die Protagonisten laut Briefing gezeichnet und gegebenenfalls verschoben, vergrößert oder verkleinert.

Schritt 3

Wenn das geschehen ist, kann man sich endlich um das Malerische – in diesem Fall die Wirkung des Lichtes – kümmern, das hier aus einem Zwielicht bestehen sollte. Das heißt, eine Lichtquelle befindet sich außerhalb des Dachbodens, die andere als funzeliges Licht innerhalb des Raumes.

Tante Dimity Cover Illustrator Schritt 3

Schritt 4

Nach erneutem Einblenden der beiden Hauptakteure stellt sich die Frage: Wo müssen die Akzente für den Hasen und die Truhe mit dem Schmuck gesetzt werden? Wieviel Licht darf eingesetzt werden, ohne dass die dunkle Stimmung verloren geht und die Details aus der Geschichte zu plakativ aufblitzen?

Jetzt wird die Skizze an die Redaktion im Verlag geschickt und der Illustrator wartet zitternd auf ein grünes Licht aus dem Lektorat, um endlich mit der Übertragung auf den Malkarton und der analogen Gestaltung zu beginnen.

be-ebooks: Wie lange brauchen Sie für eine Tante Dimity Cover-Illustration durchschnittlich?

Ommo Wille: Ich nehme mir für so eine Illustration schon ein wenig Zeit. Man geht sozusagen mit der Idee erst einmal »schwanger«. Danach erfolgen am Rechner die ersten schnellen Skizzen, die so aufgebaut sein sollten, dass man sie den Wünschen entsprechend noch einmal verändern kann.

Das Bild selber wird dann mit ganz gewöhnlichen Tuschkastenfarben, aber auch hochwertigen Gouachefarben, »in echt« auf Karton gemalt. Auch hier können bis zur Vollendung einige Tage ins Land gehen.

Sie könnten jetzt fragen: Warum wird nicht alles am Rechner gemacht? Nun, dafür bin ich wohl zu konservativ in meiner künstlerischen Einstellung. Für mich ist das Bild erst »echt«, wenn ich es in der Hand halten kann. Hinzu kommt ein ganz einfacher Grund: Das Arbeiten am Computer – obwohl dort ja auch schon gezaubert werden kann und die Programme immer besser werden – gefällt mir für diese Technik überhaupt nicht. Dieser Malstil ist nicht am Rechner umsetzbar.

Mehr Informationen zu »Tante Dimity und der verlorene Schatz«:

Beim Herumstöbern auf dem Dachboden ihres hübschen Cottages findet Lori ein wertvoll aussehendes Armband. Als sie Tante Dimity von dem antiken Schmuckstück erzählt, ruft das bei ihr schmerzhafte Erinnerungen an das London der Nachkriegszeit hervor. Tante Dimity erzählt ihr von ihrer Freundschaft mit dem geheimnisvollen Badger und ihrer zum Scheitern verurteilten Liebesgeschichte. Um ein altes Unrecht wiedergutzumachen, bittet sie Lori, dem ursprünglichen Besitzer das Armband zurückzugeben. Obwohl inzwischen mehr als fünfzig Jahre vergangen sind, willigt Lori in das aussichtslos erscheinende Unterfangen ein. Der Auftrag führt sie nach London und in eine längst vergangene Zeit. Aber schon bald stellt sich die Frage, ob manche Schätze lieber nicht gefunden werden sollten …

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„Kein anderer Krimi ist so liebenswert wie ein Tante-Dimity-Abenteuer!“ (Kirkus Reviews)

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